kumpel*care – pleite, wütend und irgendwie computergeil (part 2)

Im ersten Teil unserer kleinen Blogreihe, haben wir euch erzählt, wie es zu dem Talk kam und unsere ersten Überlegungen dazu. Im zweiten Teil sollt ihr erfahren, wie wir es dann doch noch geschafft haben, unseren Wust an Wünschen und Gedanken zu ordnen und in einen Talk umzuwandeln, auf den wir sehr stolz sind.

Zwei Wochen nach dem ersten Coaching fand unser zweiter Termin mit Lena, unserer Trainerin, statt. Voller Motivation starteten wir in diesen Tag. Leider nur zu zweit, da Eva krank das Bett hüten musste.
Da wir drei aber schon soviel miteinander gesprochen haben und wirklich riesiges Vertrauen ineinander haben, war es kein Problem. Wo immer wir zu zweit auftauchen, ist die Dritte von uns dabei

Schon am Ende des letzten Trainings war klar, dass wir so viele Themen haben, die uns bewegen. Es gibt so viele Facetten, die zeigen, wie wenig fortgeschritten die Gendergerechtigkeit im Jahr 2019 ist, so viele Erlebnisse, von denen alleine wir drei berichten können. Aber wir sollten nur 15 Minuten Zeit haben und das bedeutete, Entscheidungen zu treffen, worüber zu reden uns wirklich wichtig war.

Lena war eine große Hilfe für uns, weil sie uns Tipps gegeben hat, wie wir den Talk am besten strukturieren und worauf wir achten sollen, wenn wir vor Leuten sprechen.
Im Fokus stand hier, dass wir persönliche Geschichten erzählen sollen. Geschichten, die dafür sorgen, dass in den Köpfen unserer Zuhörer*innen ein Film abgespielt werden sollte.
Mit diesen Tipps stand am Ende des Tages sie Struktur unseres Vortrages. Aber was genau wir sagen würden und wie, das stand noch in weiter Ferne.

Aber, hey, wir hatten einen Titel: kumpel*care – pleite, wütend und irgendwie computergeil

kumpel*care – pleite, wütend und irgendwie computergeil (part 1)

Vor einem Monat haben wir an unserer Hochschule einen Talk über uns gehalten. Eigentlich war der Plan, hier schon im Vorfeld darüber zu berichten. Aber neben Talkvorbereitung, Klausuren, Praktikum und Krankheiten haben wir das leider nicht geschafft. Am Freitag sollen die Videos der Talks, die wir und andere tolle, inspirierende Frauen, gehalten haben veröffentlicht werden. Spätestens jetzt ist also der Moment, den Weg dahin mit euch zu teilen.

kumpel*talk – wie kam es dazu

Unser Studiengang hat 2017 den Arbeitgeberpreis für gute Bildung gewonnen und die Professorinnen und Professoren entschieden, dieses Preisgeld in ein Event zu investieren, bei dem Studentinnen der HTW eine Bühne gegeben werden sollte – danke dafür!
Am 05.April 2019 war es dann soweit. Die Womentechstage, gemeinsam organisiert mit den Women Techmakers, ging in ihre erste Runde. Das Thema „Herausforderungen meistern“. Wir von kumpel*care waren dabei.
Aber bis es soweit war, sollten wir erstmal einen Talk auf die Beine stellen. Das alleine war schon eine ganz schöne Herausforderung.

Das Coaching

Zum Glück wurde uns ein wirklich gutes Coaching angeboten, bei dem wir uns damit beschäftigt haben, was gutes Storytelling ist, wie man vor Menschen spricht und worüber man spricht.

Die erste Aufgabe, die unsere super Trainerin Lena, uns gestellt hat, war zu erklären, warum wir heute hier sind. Die Geschichte, die wir den anderen erzählen sollten, sollte nicht mehr und nicht weniger als neun Stationen umfassen:

Eine richtig coole Übung, bei der sich auch alle Teilnehmerinnen untereinander kennengelernt haben.
Der erste Coachingtag ging irrsinnig schnell vorbei.
In unseren Köpfen war allerdings soviel, dass ein wirkliches Thema für unseren Talk noch in weiter Ferne lag. Wie soll man auch das Streben nach Gleichberechtigung, Feminismus, unsere Geschichte, Statistiken zu Frauen in der Technikbranche in 15 Minuten packen?


Frauen und Netzwerken

Netzwerke und Frauen.
Ich habe gelesen, dass Frauennetzwerke nichts bringen. In einem Artikel von karrierebibel.de. Erstmal denkt man sich „what the fuck“?!
Was, wenn Frauen nicht Netzwerken und eben nicht ihre Kumpel in Positionen verhelfen, die ihnen mehr macht oder mehr Prestige geben, einfach nur weil der Narrativ dafür seit Jahrzehnten völlig falsch ist?

Wir diskutieren über ein Paritätsgesetz und ein gängiges Argument dagegen ist, dass Frauen es doch auch schaffen müssen für das, was sie können, ins Parlament zu gelangen und nicht nur über eine Quote. Das gleiche Argument, das auch bei der Frauenquote im Unternehmen gerne hervorgekramt wird. Und auch in Diskussionen über den Frauenstudiengang ist das ein beliebtes Gegenargument. Meiner Meinung nach steht genau dieses „Frauen müssen es alleine schaffen“ dafür, was der Fehler im System ist. Männer können und sollen ihre Netzwerke nutzen und tun es auch. Sie bekommen Wohnungen vom Freund aus der Feuerwehr oder Jobs im Management von ihrem Golfpartner. Sie bekommen diesen Job vielleicht, weil sie kompetent sind oder vielleicht aus bloßer Sympathie. Und sie sind stolz darauf.
Frauen hingegen fühlen sich schlecht, wenn sie von jemand anderem in eine Karriere protegiert werden. Denn Frauen sollen es nur durch ihre Kompetenz schaffen, nicht aufgrund von Beziehungen oder Quoten.

Eine Frau soll Mutter, Geliebte, Karrierefrau sein. Doch am besten alles getrennt voneinander und alles ohne Hilfe. Und indem erzählt wird, dass jeder Versuch von Solidarität und Netzwerken unter Frauen zum scheitern verurteilt ist, wird der Narrativ der Frau, die es nur alleine schaffen kann, weiter genährt und das Patriarchat am Leben erhalten. Die Jungs geben sich die Jobs auf dem Golfplatz und die Frau reibt sich an der Aufgabe, alles sein zu wollen, auf.

Vorfreude Frauen*Kampftag

Yay, nächsten Freitag lernen wir erst Webtechkrams und dann gehen wir gemeinsam auf die Straße! Unser Transpi ist inspiriert von der Informatikerin Grace Hopper und drückt aus was uns wütend macht: So geht das nicht weiter! Es muss anders gehen und es geht anders. Wir wollen in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben in der Sexismus von allen strickt abgelehnt, gleiche Arbeit gleich bezahlt, Kümmer-Arbeit wertgeschätzt und gleichberechtigt zwischen Geschlechtern aufgeteilt wird. Und außerdem finden wir:  Im Jahr 2019 sollte es wirklich eine Selbstverständlichkeit sein,  dass Frauen* Informatik studieren und Technik begeistert sind. Ende der 60er in den USA war Programmieren „Frauensache“ und in der DDR waren 50-60 % der Informatik-Studierende Frauen. In der BRD liegt der Durchschnitt heute zwischen 16-17% … Seufs… Was ist da los?

 

Das Genderding

Das Genderding ist ein kleines, unscheinbares, altes, sehr altes, aber dennoch sehr hässliches Monster. Es ist bereits viele tausend Jahre alt, obwohl niemand so richtig weiß wie alt es wirklich ist. Vermutlich lebte es schon vor der Geburt Jesu und noch in der Steinzeit. Aber wahrscheinlich war es auch dann schon alt.

Wo das Genderding auftaucht, versuchen die Leute es zu ignorieren, rümpfen aber dennoch die Nase wenn es einen seiner leisen, stinkenden Pupse von sich gibt.

Zu einem dieser Anlässe betrat Natalie den Raum. Während wieder einmal die Menschen um es herum in stiller Verachtung die Nase rümpften, zückte Natalie verschmitzt ihr liebstes Feuerzeug, näherte sich dem Genderding – hielt inne, denn der Gestank war wirklich beträchtlich – und zündete.

#202jahresindzulang